Corona stand nicht im Etat

294 000 Euro investiert der SV Ramlingen-Ehlershausen in sein umfangreiches Bauprojekt

Die Bagger rollen wieder – einmal mehr in der 99-jährigen Geschichte des SV Ramlingen-Ehlershausen (RSE). Denn allein von 1977 bis 1994 investierte der Verein gut 600.000 Mark. Zwischen der Jahrtausendwende und dem vergangenen Jahr flossen weitere 160 000 Euro in die Gebäude und das Gelände am Akazienweg. Nun erneuert der Verein mit 480 Mitgliedern erneut das Areal: Die Gesamtkosten summieren sich auf knapp 294 000 Euro. „Aber“, sagt Alfred Runge vom Vorstand, „ohne das Engagement unserer Mitglieder wäre all dies nicht möglich gewesen.“

Runge übernahm 1977 den Vereinsvorsitz – und aus dieser Zeit datieren auch die ersten großen Bauprojekte, die nun ihre Fortsetzung mit einem neuen Anbau, einer Dachsanierung und der Wasserversorgung für den A-Platz finden. In vier Bauabschnitte gliedern sich die Arbeiten der Anlage: Zunächst erweiterten und gestalteten Arbeiter und Ehrenamtliche von 1977 bis 1978 den A-Platz, sieben Jahre später folgte der B-Platz mit 59 Parkplätzen. Dort errichteten Firmen dann drei Jahre später eine Flutlichtanlage, weitere 20 Jahre später entstand der C-Platz mit Flutlicht- und Bewässerungsanlage. Diese ist nun auf dem A-Platz fällig, sie kostet gut 16 000 Euro. „Die Vorarbeiten sind erledigt, nun hoffen wir, dass es schnell weitergeht“, sagt Vereinschef Jürgen Stern.

Seinen Angaben zufolge darf eine Holzbaracke aus den Fünfzigerjahren als Herzstück der heutigen Vereinsgebäude gelten. Sie wich vor gut 40 Jahren dem heutigen Klubhaus, das neben dem Vereinsraum auch Umkleiden sowie einen Schiedsrichter- und Lagerraum umfasst. Gleichwohl reichte dieser Platz gerade zehn Jahre: Zu Beginn der Neunzigerjahre erweiterte der RSE das Gebäude um Umkleiden, sanitäre Anlagen, Heizung und Geschäftszimmer. Nach einem Vierteljahrhundert erhielten die Räume eine Renovierung – nun aber zeige sich, dass das Vereinshaus längst nicht mehr dem Standard entspricht, sagt Stern.

Deshalb werden Arbeiter ab Mitte Mai die bisherige Garage abreißen und an ihrer Stelle einen Anbau errichten, sodass künftig der Schiedsrichter oder die Schiedsrichterin einen adäquaten Raum samt Dusche nutzen kann. „Außerdem kommen neue Umkleiden dazu, sodass den Mannschaften künftig sechs zur Verfügung stehen“, sagt Runge. Bis zum Jahresende soll der Anbau bezugsfertig sein, die Kosten betragen knapp 166 000 Euro. Sobald die Wände des neuen Gebäudes stehen, beginnt das dritte Bauprojekt: die energetische Dachsanierung, die mit knapp 112 000 Euro zu Buche schlägt.

 

Auf finanzielle Unterstützung kann der RSE setzen: Die Stadt Burgdorf gibt 70 000 Euro zu den Gesamtkosten, die Region Hannover etwa 30 000 Euro und der Landessportbund knapp 72 000 Euro. „Wir haben immer nur so gebaut, wie es unsere finanziellen Ressourcen erlaubt haben“, sagt Runge. Dieses Vorgehen habe sich über die Jahre bewährt, und er gehe davon aus, dass es auch dieses Mal der Fall sein werde. Und das, ergänzt Stern, obwohl Corona nicht im Etat gestanden habe. Denn wegen der Pandemie fallen zurzeit die Spiele und Veranstaltungen aus, deren Erlöse der Verein eigentlich eingeplant hatte. „Wir werden also Spender suchen, um die Lücke zu schließen“, sagt der RSE-Chef.

Mit dem Vorstand und den Aktiven hoffe er, dass bewährte Turniere wie der Porta-Pokal in diesem Jahr nur verschoben werden und nicht komplett ausfallen müssen. Auf die Unterstützung der Mitglieder könne er sich dabei verlassen, sagt Stern und spricht wie Runge von einem besonderen Gemeinschaftsgefühl, das sich aus den vielen Bauprojekten und der Pflege der Anlage ergeben habe. „Zurzeit erleben wir tatsächlich eine Renaissance“, sagt Stern mit Blick auf Freiwillige, die beispielsweise aus Eigeninitiative heraus das Geländer gestrichen oder neue Büsche gepflanzt hätten. Die Folge sei eine gepflegte Anlage, um die viele andere Vereine den RSE beneideten.

„Das funktioniert auch deshalb so gut, weil wir eine große Kontinuität in der Arbeit haben“, sagt Stern. Das gelte für die wenigen Wechsel ebenso wie bei den Trainern und erst recht bei Bauvorhaben. „Jetzt bereiten wir die 100-Jahr-Feier im nächsten Jahr vor, da zeigt sich dieser besondere Aspekt ganz deutlich“, ergänzt Runge.

Ein Bericht von Antje Bismark