Sponsoren und Mitglieder halten dem RSE die Treue

SV Ramlingen-Ehlershausen hat massive Einbußen bei den Einnahmen / Clubhausumbau läuft trotzdem weiter
von Sandra Köhler

Ramlingen. Das erste Oberliga-Heimspiel des SV Ramlingen-Ehlershausen (RSE) nach dem Aufstieg am Sonntag hat sich Vereinschef Jürgen Stern anders vorgestellt. Statt voller Tribüne ist Fußballgucken mit Abstand angesagt. „Unter normalen Bedingungen wären hier bestimmt 400 Zuschauer. So dürfen es nur 100 sein“, sagte Stern. Wohlgemerkt: inklusive Helfern und Offiziellen. Bleiben 60 bis 70, die effektiv Eintritt zahlen.

Corona verlangt Vereinen wie dem RSE momentan viel ab. Die Kosten bleiben, der Trainings- und Spielbetrieb ist nur unter großen Auflagen zu leisten. Umso mehr freut sich Stern, dass sowohl Sponsoren als auch Mitglieder dem Verein die Treue halten.

Die Dörfer halten zum Verein

Da seien Ramlingen und Ehlershausen Dörfer im besten Sinne. „Der Zusammenhalt ist unglaublich“, sagte Stern dankbar. Rund 200 kleine und mittlere Sponsoren hat der Verein und hält zu diesen über die sportlichen Veranstaltungen hinaus engen Kontakt mit Netzwerkveranstaltungen. „Auch wenn es beispielsweise für Gastronomie und Autohäuser nicht einfach ist: Alle haben zugesagt, uns weiter zu unterstützen.“ Auch die Mitglieder bleiben. „Mir ist es sogar in den vergangenen Wochen gelungen, drei neue Mitglieder zu gewinnen“, sagte Stern erfreut. Knapp 500 zählt der RSE jetzt. „Das ist für einen reinen Fußballverein nicht schlecht. Vor einem Jahr waren es noch 430.“

Sowohl das ehrenamtliche als auch das finanzielle Engagement ist für den Verein gerade immens wichtig. Denn der hatte sich – als von Corona noch nichts bekannt war – entschlossen, viel Geld in sein Clubhaus zu investieren. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Von den Kosten in Höhe von 300 000 Euro muss der Club die Hälfte selbst stemmen. „Hätten wir gewusst, was kommt, hätten wir uns wohl anders entschieden“, sagte Stern. Immerhin: Weil für dieses Projekt Rücklagen gebildet wurden, steht der RSE jetzt relativ gut da. „Wir werden die Krise überstehen“, meinte Stern sicher.

Einfach ist die Situation trotzdem nicht. Kosten für Platzpflege, Energie und das Personal im Clubhaus bleiben, während die Einnahmen eingebrochen sind. „Und die Fußballer müssen ihr Geld ja auch bekommen“, erklärte Stern. Mit dem Oberliga-Aufstieg verbunden sind Auswärtsspiele in Braunschweig, Wolfsburg und Göttingen. „Dafür müssen wir jetzt einen großen Bus mieten, das sind zusätzliche Kosten.“ Allein weil der Porta-Pokal unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden musste, fehlten rund 10 000 Euro an kalkulierten Einnahmen. Gut, dass jetzt wieder Zuschauer zugelassen seien. Die müssten ihre Sitzplätze selbst mitbringen – am Spielfeldrand dürfen sie nicht stehen – und sich über die Vereinshomepage anmelden.

„Es ist wahnsinnig aufwendig, alle Auflagen umzusetzen“, sagte Stern. Das würde ohne die zahlreichen Ehrenamtlichen des RSE nicht funktionieren, ebenso wenig wie der Trainingsbetrieb für die Jugendmannschaften. Bei mehreren Treffen sei gemeinsam überlegt worden, wie das Training gestaltet werden könnte. „Als die Auflagen bekannt wurden, haben die Jugendtrainer erst gesagt: ,Das machen wir nicht.‘“ Doch mit vereinten Kräften wurde ein Konzept entwickelt. „Es ist toll, dabei zuzusehen. Die Kinder sind so froh, dass sie endlich wieder trainieren können.“

Doch der RSE schaut nicht nur auf die eigene Zukunft, sondern hat den Blick auch klar auf gesellschaftliche Entwicklungen gerichtet. Deshalb führt er die Kampagne „Gemeinsam gegen Rassismus und Gewalt“ weiter. So wie vor ihnen die A-Jugendlichen laufen jetzt auch die in der Oberliga spielenden Herren mit einem entsprechenden Schriftzug auf dem Trikot auf.

Herren erobern Tabellenspitze

Übrigens war das erste Heimspiel des RSE in der neuen Saison beeindruckend. Die Spieler des Aufsteigers gewannen 4:0 gegen den FC Eintracht Northeim. Es war der zweite Sieg in zwei Spielen. Damit steht der RSE nach zwei Spieltagen an der Tabellenspitze der Oberliga Niedersachsen – Braunschweig/Hannover.